Der Carry Trade ist eine der bekanntesten Strategien im Devisenhandel. Das Prinzip ist einfach: Man leiht sich Geld in einer Währung mit niedrigen Zinsen und legt es in einer Währung mit hohen Zinsen an. Die Zinsdifferenz ist der Gewinn. Doch die Risiken sind erheblich.
So funktioniert der Carry Trade
Das Grundprinzip
Ein Carry Trade besteht aus drei Schritten:
- Kredite aufnehmen in einer Niedrigzinswährung (z. B. Japanischer Yen bei 0–0,5 % Zinsen)
- Umtauschen in eine Hochzinswährung (z. B. Australischer Dollar bei 4–5 % Zinsen)
- Anlegen in zinsbringende Wertpapiere der Hochzinswährung
Der Gewinn besteht aus der Zinsdifferenz (hier ca. 4 % p. a.), vorausgesetzt, der Wechselkurs bleibt stabil.
Typische Carry-Trade-Paare
Traditionell werden für Carry Trades folgende Paare verwendet:
- JPY-Finanzierung: AUD/JPY, NZD/JPY, USD/JPY – Japan hatte jahrzehntelang die niedrigsten Zinsen
- CHF-Finanzierung: AUD/CHF, NZD/CHF – die Schweiz hatte ebenfalls sehr niedrige Zinsen
- EUR-Finanzierung: EUR/AUD, EUR/NZD – in Phasen niedriger EZB-Zinsen
Risiken des Carry Trade
Wechselkursrisiko
Das größte Risiko ist eine Aufwertung der Finanzierungswährung. Wenn der Yen gegenüber dem Australischen Dollar um 5 % aufwertet, wird die Zinsdifferenz von 4 % mehr als aufgefressen. In Krisenzeiten geschieht genau das: Investoren lösen hastig ihre Carry-Trade-Positionen auf, kaufen Yen zurück, und der Yen steigt sprunghaft.
Liquiditätsrisiko
Carry Trades funktionieren in ruhigen Marktphasen gut, aber in Krisenzeiten kommt es zu einer massenhaften Auflösung (Unwinding). Dies verstärkt die Kursbewegung und kann zu massiven Verlusten führen. Der Yen stieg beispielsweise während der Finanzkrise 2008 innerhalb weniger Monate um über 30 % gegenüber dem Australischen Dollar.
Bedeutung für den Wechselkurs
Carry Trades als Kurstreiber
Carry Trades beeinflussen die Wechselkurse erheblich. In ruhigen Phasen fließt Kapital in Hochzinswährungen und stärkt diese. In Krisenzeiten kehrt sich der Fluss um: Niedrigzinswährungen wie der Yen und der Franken werten sprunghaft auf, Hochzinswährungen fallen.
Für die Beobachtung von EUR/JPY, USD/JPY und ähnlichen Paaren ist das Verständnis der Carry-Trade-Dynamik daher unerlässlich. Zinsentscheidungen von EZB, Fed und Bank of Japan verändern die Attraktivität der Carry Trades und damit die Kapitalströme.