Inflation – der allgemeine Anstieg des Preisniveaus – gehört zu den wichtigsten Einflussfaktoren für Wechselkurse. Länder mit hoher Inflation sehen ihre Währung typischerweise an Wert verlieren. Der Zusammenhang zwischen Inflation und Wechselkursen ist für jeden wichtig, der international handelt, investiert oder reist.
Grundlagen: Inflation und Kaufkraft
Was ist Inflation?
Inflation bezeichnet den anhaltenden Anstieg des allgemeinen Preisniveaus. Wenn die Inflation 5 % beträgt, kosten Waren und Dienstleistungen im Durchschnitt 5 % mehr als vor einem Jahr. In der Eurozone wird die Inflation am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessen, in Deutschland zusätzlich am Verbraucherpreisindex (VPI).
Inflation und Kaufkraft
Steigende Preise bedeuten, dass für denselben Geldbetrag weniger Güter gekauft werden können – die Kaufkraft sinkt. Wenn die Inflation in der Eurozone höher ist als in den USA, verliert der Euro relativ an Kaufkraft gegenüber dem Dollar.
Die Theorie der Kaufkraftparität (KKP)
Das Grundprinzip
Die Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP) ist ein ökonomisches Konzept, das besagt, dass identische Waren in verschiedenen Ländern denselben Preis haben sollten, wenn man den Wechselkurs berücksichtigt. Wenn ein Warenkorb in den USA 100 Dollar und in der Eurozone 92 Euro kostet, sollte der Kurs bei etwa 1,087 EUR/USD liegen.
Wechselkurs (KKP) = Preisniveau Land A / Preisniveau Land B
Big-Mac-Index
Der von The Economist veröffentlichte Big-Mac-Index ist eine vereinfachte Anwendung der KKP. Er vergleicht den Preis eines Big Mac weltweit, um zu beurteilen, ob Währungen über- oder unterbewertet sind. Der Index ist informell, veranschaulicht aber das KKP-Prinzip eindrucksvoll.
Realer und nominaler Wechselkurs
Nominaler Wechselkurs
Der nominale Wechselkurs ist der Kurs, den Sie auf unserer Seite sehen – zum Beispiel 1 EUR = 1,0850 USD. Er zeigt das reine Tauschverhältnis zweier Währungen.
Realer Wechselkurs
Der reale Wechselkurs berücksichtigt zusätzlich die Inflationsdifferenz. Er zeigt, wie viele Güter man im Ausland für denselben Betrag kaufen kann. Wenn der nominale Kurs gleich bleibt, aber die Inflation im Inland höher ist, wertet die Währung real ab – Waren werden im Inland teurer.
Fallbeispiel: Die Türkische Lira
Inflation als Kurszerstörer
Die Türkische Lira ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Inflation eine Währung zerstören kann. Bei einer Inflation von zeitweise über 80 % (2022) verlor die Lira massiv an Wert gegenüber dem Euro und dem Dollar. Die unkonventionelle Geldpolitik der türkischen Zentralbank – Zinssenkungen trotz hoher Inflation – beschleunigte den Verfall.
| Jahr | EUR/TRY Kurs (ca.) | Inflation Türkei |
|---|---|---|
| 2018 | 5,3 | 20 % |
| 2020 | 8,0 | 15 % |
| 2022 | 18,0 | 85 % |
| 2024 | 35,0 | 65 % |
Zusammenfassung
Inflation beeinflusst Wechselkurse auf vielfältige Weise. Langfristig tendieren Währungen von Ländern mit hoher Inflation zur Abwertung. Kurzfristig können jedoch Zinserwartungen, Kapitalströme und Marktstimmung die Inflationseffekte überlagern. Für fundierte Wechselkursprognosen ist die Beobachtung der Inflationsdynamik in den relevanten Ländern unerlässlich.