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Sichere-Hafen-Währungen – Warum der Franken in Krisen steigt

In Krisenzeiten fliehen Investoren in sichere Häfen. Der Schweizer Franken, der US-Dollar und der Japanische Yen profitieren typischerweise von globaler Unsicherheit.

In Zeiten geopolitischer Spannungen, Finanzkrisen oder wirtschaftlicher Unsicherheit suchen Investoren Zuflucht in sogenannten „sicheren Häfen" (Safe Havens). Bestimmte Währungen profitieren regelmäßig von dieser Flucht in die Sicherheit – allen voran der Schweizer Franken, der US-Dollar und der Japanische Yen.

Was macht eine Währung zum sicheren Hafen?

Merkmale von Safe-Haven-Währungen

Sichere-Hafen-Währungen zeichnen sich durch mehrere gemeinsame Merkmale aus:

  • Politische und wirtschaftliche Stabilität des Ausgabelandes
  • Hohe Liquidität auf den Devisenmärkten
  • Starke Rechtsstaatlichkeit und Eigentumsschutz
  • Glaubwürdige Zentralbank mit unabhängiger Geldpolitik
  • Leistungsbilanzüberschuss oder Nettogläubigerposition

Die drei wichtigsten sicheren Häfen

Schweizer Franken (CHF)

Der Schweizer Franken ist der Klassiker unter den sicheren Häfen. Die Schweiz bietet politische Neutralität, ein stabiles Bankensystem, niedrige Staatsverschuldung und eine starke Rechtsstaatlichkeit. In jeder größeren Krise – von der Eurokrise bis zur Covid-19-Pandemie – wertete der Franken deutlich auf.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat wiederholt versucht, die Aufwertung zu bremsen. Von 2011 bis 2015 hielt sie einen Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro. Dessen überraschende Aufgabe am 15. Januar 2015 führte zu einem der dramatischsten Tage in der Geschichte des Devisenhandels.

US-Dollar (USD)

Der US-Dollar profitiert als weltweite Leitwährung von Krisen. Etwa 60 % der globalen Währungsreserven werden in Dollar gehalten. In akuten Krisen fließen Gelder in US-Staatsanleihen – die als sicherste Anlage der Welt gelten – und stärken damit den Dollar.

Japanischer Yen (JPY)

Japan ist der weltweit größte Nettogläubiger – das Land hält mehr Vermögen im Ausland als umgekehrt. In Krisenzeiten repatriieren japanische Investoren ihre Auslandsanlagen und kaufen Yen, was die Währung stärkt. Die niedrigen japanischen Zinsen spielen dabei eine besondere Rolle über den Carry-Trade-Effekt.

Historische Beispiele

Finanzkrise 2008

Während der globalen Finanzkrise werteten CHF und JPY massiv gegenüber dem Euro auf. Der EUR/CHF-Kurs fiel von 1,60 auf unter 1,10. Investoren flohen aus risikoreichen Anlagen in sichere Häfen.

Eurokrise 2011–2012

Die europäische Schuldenkrise trieb den Franken so stark nach oben, dass die SNB im September 2011 den Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro einführte, um die exportabhängige Schweizer Wirtschaft zu schützen.

Covid-19-Pandemie 2020

Zu Beginn der Pandemie stieg der US-Dollar gegenüber fast allen Währungen, da Investoren die Liquidität und Sicherheit von Dollar-Anlagen suchten. Auch der Franken und der Yen werteten auf.

Bedeutung für Anleger

Diversifikation mit Safe-Haven-Währungen

Für deutsche Anleger kann das Halten von Anlagen in sicheren-Hafen-Währungen als natürliche Absicherung gegen Krisen dienen. Allerdings bieten diese Währungen aufgrund der niedrigen Zinsen oft geringere Renditen in ruhigen Zeiten. Das Verständnis der Safe-Haven-Dynamik hilft, Portfolioentscheidungen fundierter zu treffen.

Quellen

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